Shahryar Nashat - Stunt
Ein Stuntman sitzt auf einer Bank und zieht erst langsam seine Turnschuhe, dann seine Socken, seine Trainingsjacke und schließlich sein Hemd aus. Hoch konzentriert macht er sich bereit für die physische Herausforderung. Diese findet jedoch nicht auf einem Filmset statt, sondern inmitten des Rubens-Saals des Pariser Louvre. Erst läuft der junge Mann noch mit seinem nackten, durchtrainierten Oberkörper vor den überlebensgroßen, barocken Gemälden auf und ab. Doch schließlich hält er inne und setzt zum einhändigen Handstand an. Der ausschweifenden, gemalten Körperlichkeit setzt er die präzise Ausführung seiner physischen Turnübung entgegen, aus dessen Position er die Gemälde für einen kurzen Moment voller Anstrengung betrachtet: The Regulating Line - so der Titel der dreiminütigen Videoarbeit des Schweizer Künstlers Shahryar Nashat (*1975 in Genf, lebt und arbeitet in Berlin), die in der Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof im Zentrum steht.
In seinen filmischen, fotografischen und skulpturalen Arbeiten beschäftigt er sich Shahryar Nashat immer wieder mit den Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst sowie deren Aneignungen. In der Ausstellung wird der Film gemeinsam mit zwei seiner Skulpturen gezeigt, die das Formenvokabular von Museumsbänken zitieren, wobei der darauf Platz nehmende Betrachter selbst zu einem Teil der Skulptur wird. Momente von Betrachtung, Gesehenwerden und Formwerdung werden durch die unterschiedlichen medialen Ebenen vervielfacht. Eine besonderer Dialog entsteht darüber hinaus durch die Präsentation der Videoarbeit im Ausstellungsraum des Kunstvereins, der sich im ehemaligen Wartesaal der 1. Klasse befindet. Denn bei genauerer Betrachtung werden zwischen dem Rubens-Saal im Louvre und dem ehemalige Wartesaal architektonische Parallelen deutlich: Beide Architekturen zeichnen sich vor allem durch ihre Größe und Monumentalität aus.
Diesen monumentalen Dimensionen wird in dem Video der Körper als Maß, als streng kontrollierte, physische Präsenz, als „regulating line" entgegengesetzt.

Am Piano: Nina Hollensteiner
Zeitgleich zur Ausstellung im Hauptraum wird eine Ausstellung der Künstlerin Nina Hollensteiner (*1985 in Bielefeld, lebt und arbeitet in Hamburg) im Bar-Raum des Kunstvereins eröffnet. Ihre Neuproduktion „Conversation Floor" beschäftigt sich mit Fragen und Strukturen des Small Talks im öffentlichen Raum.Form-Elemente und Buchstaben auf dem Boden schaffen eine Art Spielfeld für Gespräche und fordern zugleich eine eigene Positionierung heraus. Die permanente Installation hinterfragt das eigene Verhalten in einer Konversation und analysiert, abstrahiert und spiegelt zugleich die Choreografien, die sich in solchen gesellschaftlichen Gefügen zwangsläufig ergeben. Nina Hollensteiners subtiler Eingriff in die Bar des Kunstverein Harburger Bahnhof bildet den Auftakt der Ausstellungsreihe Am Piano: ..., bei der jeweils parallel zu den vier für 2012 geplanten Ausstellungen junge Hamburger Künstler die Bar bespielen werden.
Kunstverein Harburger Bahnhof
Hannoversche Straße 85
21079 Hamburg
Telefon: 040/ 76 75 38 97
Telefax: 040/76 75 47 85
www.kvhbf.de
im Bahnhof Hamburg Harburg
über Gleis 3 & 4
Mittwoch bis Sonntag
von 14:00 bis 18:00 Uhr